Ein Tag als Peer
von Jeannine Twardon, 11b
Peer?
Für einen Tag durften wir - 29 freiwillige Schüler aus der Jahrgangsstufe 11- uns als so genannte Peers bewähren. Unsere Aufgabe war es mit den 8.Klässlern unserer Schule das Thema Alkohol zu bearbeiten und sie soweit wie möglich darüber aufzuklären, jedoch nicht mit erhobenen Zeigefinger, sondern eher als Vorbilder.
Doch vollkommen unvorbereitet konnte uns Frau Hidding, die das Projekt "Let's Talk about Drinks" an unsere Schule gebracht hatte, nicht mehr als fünf Stunden mit ungefähr 15 Kindern arbeiten lassen, also besuchten wir eine Woche zuvor die Drogenberatung Mönchengladbach.
Dort wurden uns nicht nur von Frau Schmitz-Remberg (Diplom-Sozialpädagogin) Hintergrundinformationen vermittelt, sondern wir mussten auch jegliche Spiele und Methoden selbst bearbeiten. So war es zum Beispiel eine Aufgabe in Gruppen sich als das Dr. Sommer -Team auszugeben und eine Lösung für einen Leserbrief zum Thema Alkohol und Gruppenzwang zu finden. Dies allerdings in einer kleinen selbst ausgedachten Szene, was ziemlich lustig endete. Die ungefähr sieben Stunden in der Beratungsstelle, wofür wir extra schulfrei bekommen hatten, vergingen sehr schnell. Es war sehr lehrreich und vor allem hatte ich das Gefühl, dass ich über mein eigenes Verhalten nachdachte.
Gestern war es nun soweit: drei bis vier Peers bekamen ihre Schüler zugeteilt. Anfangs war die ungewohnte Situation alles andere als locker, doch mit ein paar Kennenlern - und Lockerungsspielchen löste sich die Spannung. Eigenständig konnten wir Peers entscheiden, wann es Zeit für eine Pause war und wie unser Tagesprogramm ablaufen sollte, auch wenn wir uns zugegebenermaßen doch relativ nahe an Frau Schmitz-Rembergs Vorschläge hielten. Trotzdem hätten wir nicht erwarten, dass unsere Achtklässler so schnell zu uns Vertrauen fassen würden und uns, nachdem wir von unseren Erfahrungen erzählt hatten, auch ihre offen darlegen würden. Sie schienen die ganze Zeit über interessiert, sogar als wir ein wenig 'Theorie' an der Tafel machten: zum Beispiel die Definition von Alkoholsucht.
Am Ende des Vormittags baten wir noch um Feedback, das glücklicherweise ziemlich gut ausfiel: die Schüler der achten Klasse hatten den Tag als sinnvoll und informativ aufgefasst und waren auch mit uns Peers zufrieden, denn sie hatten verstanden, dass unser Ziel nicht war, ihnen den Alkohol zu verbieten, sondern ihnen einen risikofreien Umgang, mit dem sie jetzt schon oder möglicherweise bald Erfahrungen machen werden, nahe zulegen. Froh waren sie auch darüber, dass wir 17 bis 18-jährige uns bereiterklärt hatten die Aufgabe der Peers zu übernehmen und nicht Lehrer oder Sozialpädagogen.
Alles in allem haben nicht nur die Jüngeren etwas gelernt, sondern auch wir haben neue und gute Erfahrungen gemacht.
