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Gymnasium an der Gartenstraße - aktuell

"Forgiveness is the greatest kind of love"

Besuch von Bill Pelke, Gegner der Todesstrafe, aus den USA

von Paul Voell

Was würdest du tun, wenn jemand deine Großmutter tötet? Vielleicht würdest du dir wünschen, es gäbe noch die Todesstrafe in Deutschland und derjenige würde dadurch hart bestraft. Es gehört viel dazu, in einer solchen Situation dem Mörder zu verzeihen und dann noch als Botschafter gegen die Todesstrafe unterwegs zu sein. Doch genau das trifft auf Bill Pelke zu, der uns am 30. November 2011 besuchte. Die Schüler zweier Kurse Sozialwissenschaften der Stufe 10 trafen den Gast aus den Vereinigten Staaten im Musikraum und er erzählte auf Englisch von seiner tragischen Vergangenheit. Alles drehte sich um den grausamen Mord an seiner Großmutter, von allen nur Nana genannt.

Im Jahr 1985 klingelten vier Schülerinnen bei Nana an der Tür, die zuvor aus ihrer Schule abgehauen waren und sich stattdessen in einer Spielhölle amüsieren wollten. Sie brauchten dafür Geld und eines der Mädchen wusste, dass in der Nähe eine ehemalige Bibellehrerin alleine am Ende der Straße wohnte. Bei dieser Rentnerin handelte es sich um Bill Pelkes Großmutter, Nana. Sie ließ die vier Jugendlichen ins Haus hinein, im Glauben, dass sie sich etwas über die Bibel erzählen lassen wollten. Kaum hatte Nana ihnen den Rücken zugekehrt, überfielen die Schülerinnen die alte Dame und wollten sie ausrauben. Doch im Haus ließ sich kein Geld finden, und die Situation geriet außer Kontrolle. Eines der Mädchen passte auf Nana auf, während die anderen das Haus durchsuchten. Dabei wechselten sie sich ab. Als Paula Cooper, die "Bandenführerin", wie sie später dargestellt werden sollte, es übernahm, die alte Dame zu bewachen, verlor sie die Fassung. Panisch stach sie mehrmals mit einem Messer auf Nana ein und tötete sie. Wie sich nachher herausstellte, für nur 10 Dollar. Mehr fanden die sofort mit Nanas Auto flüchtenden Mädchen nicht. Es dauerte nicht lange, bis Bill Pelkes Vater die Leiche finden musste, aber ebenso schnell wurden die Schülerinnen gefasst. Nach dem damaligen Gesetz des Staates Indiana bedeutete das für eines der Mädchen eine Haft von 25 Jahren, doch da ihr eine geringere Täterschaft zugesprochen wurde, teilte man ihr schon damals mit, dass sie nach guter Führung bereits nach 12,5 Jahren frei sein würde. Die anderen beiden Mädchen wurden zu 25 Jahren Haft verurteilt. Auf das vierte Mädchen wartete der Tod. Paula Cooper war 15 Jahre alt, als sie per Richterspruch durch den elektrischen Stuhl zum Tode verurteilt wurde. Bill Pelke war nach dem Mord traumatisiert und verlangte von Anfang an, wie auch viele andere Angehörige, die Todesstrafe für die Mörderin. Doch dann veränderte ein Tag sein ganzes Leben.

Als er an einem Arbeitstag im Jahr 1986 wenig zu tun hatte, dachte er in diesem stillen Moment über das Urteil nach, dessen Verkündung schon mehrere Monate zurücklag. Bill Pelke ist ein gläubiger Mensch und als er in diesem Augenblick sein Lieblingsfoto von Nana ansah, wusste er, dass seine Oma Paula Coopers Schicksal niemals gewollt hätte. Bill Pelke zeigt uns jetzt dieses Foto. Nana hätte um Paula geweint und auch sie hätte nach den Grundlagen des christlichen Glaubens Vergebung gewollt. Im Gerichtssaal damals saß auch Paulas Großvater und weinte um seine Enkelin. Pelke fragte sich, ob Rache wirklich eine Lösung ist. Zu vergeben hilft, Rache hingegen wächst wie Krebs, wird immer größer bis sie zum Tode führt.

Sofort schrieb Pelke Paula einen Brief und stellte sich nun voll und ganz auf ihre Seite. Er konnte nicht zulassen, dass die Fünfzehnjährige exekutiert werden sollte. Der Fall erfuhr schon von Anfang an großes Medieninteresse und so kam es auch, dass Petitionen für die Aufhebung der Todesstrafe Paula Coopers überall gestartet wurden. Bill Pelke unterstützte die Bewegung und die Petitionen wurden sehr erfolgreich, nicht zuletzt durch Pelkes aufsehenerregende Mithilfe - von Seiten eines Opfers. Zwei Millionen Menschen unterschrieben die Bittschriften und sogar den Papst erreichten sie. Sie bewegten ihn sogar dazu, seine Meinung zur Todesstrafe in einer Rede zu veröffentlichen. Er rief dazu auf, die Todesstrafe abzuschaffen, da sie eine barbarische Strafe ist, die auch die Angehörigen der Täter grausam trifft.

Menschen können sich verändern. Man soll die Sünde hassen, aber die Sünder lieben. In den letzten 20 Jahren haben die Staaten New York, New Jersey, New Mexico und Illinois die Todesstrafe abgeschafft. Außerdem darf heute kein Staat mehr Jugendliche unter 18 Jahren zum Tode verurteilt.
Der Staat Indiana wurde zur Schau gestellt und den Verantwortlichen wurde die Sache peinlich. Viele Menschen beriefen sich außerdem auf einen anderen Fall, bei dem die beiden einzigen Söhne ihren Eltern durch die Todesstrafe weggenommen wurden. Die Todesstrafe sei ungerecht und es müsse etwas passieren. Bill Pelke war überzeugt, dass wenn es etwas Gutes am Tode seiner Großmutter gab, etwas, das die Erinnerung an sie in einem schönen Licht hinterlässt, dann ist es der Umstand, dass er dadurch eine kleine Revolution losstoßen und Paula Coopers Seele retten konnte.

Wir waren alle gespannt, wie der Fall Paula Cooper letztendlich ausgegangen war. Bill Pelke erzählte daraufhin von dem glücklichen Tag, an dem er erfuhr, dass seine Aktionen Erfolg gehabt hatten. Paula Coopers Todesstrafe wurde in eine Haftstrafe umgewandelt. Seitdem ist Pelke weltweit unterwegs, um als Botschafter gegen die Todesstrafe die Menschen zu überzeugen. Bei vielen Schülern hat der mitreißende Vortrag einen tiefen Eindruck hinterlassen und war Anlass, über die eigene Einstellung zur Todesstrafe nachzudenken. Der Termin war passend gewählt, da am 30. November in vielen Städten der Gedenktag "Ja zum Leben - Nein zur Todesstrafe" stattfand. So haben auch viele Schüler aus unserer Stufe an einer Unterschriftensammlung zur Abschaffung der Todesstrafe teilgenommen und dadurch Bill Pelkes Mission unterstützt.

Paula Cooper wird 2013 frei gelassen und Bill Pelke wird sie dabei unterstützen, ein neues Leben zu beginnen.