Gymnasium an der Gartenstraße

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Gymnasium an der Gartenstraße - aktuell

Fruchtig-freche Design-Möbel

verfasst von Ulrich Höckmann

Der Begriff "Melone" bezeichnet nicht nur die schmackhafte Südfrucht, sondern auch ein distinguiertes, englisches Kleidungsstück, das man auf dem Kopf zu tragen pflegt. Mit diesen Attributen sind die vom 12er Grundkurs gebauten Wohnutensilien ebenfalls treffend beschrieben: frisch, neu, aber auch klassisch und gediegen. Die Schüler/innen präsentierten ihre Kursarbeiten, Sessel, Bänke und einen Tisch auf einer Vernissage am vorletzten Schultag.

Entstanden waren die Bänke und Stühle nach eingehender Beschäftigung mit Grundprinzipien des Designs, mit Aspekten wie Gebrauchswert, Formqualität oder Materialgerechtigkeit. Besonders die klassische Designepoche des Bauhauses mit ihren Formprinzipien und ihrer Gestaltungsstrenge wurde intensiv rezipiert. Berühmte Namen wie Walter Gropius, Marcel Breuer, Ludwig Mies van der Rohe oder Mart Stam beherrschten die Diskussion.

Diese klassischen Möbel dienten den Schüler/innen als Ausgangspunkt für eigene Möbelentwürfe, die auch in Originalgröße gebaut werden sollten - eine durchaus anspruchsvolle technische und logistische Aufgabe. Nach ersten Skizzen wurden die Entwürfe in den Überarbeitungen immer eigenständiger, immer eigenwilliger. Das klassische Terrain wurde schnell verlassen. Schrille Designstars der italienischen und spanischen Designszene dominierten jetzt die Diskussion: Carlo Mendini, Xavier Marescal, Philipp Starck. Und entsprechend unklassisch sahen die Entwürfe nun aus. Dem konservativen Kunstlehrer trieb es den Angstschweiß auf die Stirn! Aber die Teams waren sehr überzeugend, sie haben die gewagten Herausforderungen souverän gemeistert. Und zwar alle!
Mit großer Sicherheit haben sie ihre eigenen Vorstellungen umgesetzt. Sie haben sich nicht beirren lassen. Keinen Einheitsbrei gekocht. Ihre Formensprache ist unkonventionell, aber schlüssig!

Auch handwerklich waren einige Hürden zu nehmen. Die eingesetzten Materialien waren ungewöhnlich und erforderten neuartige Bearbeitungsmethoden. Sie haben zum Beispiel Bücher als Material benutzt, haben sie mit dicken Löchern versehen und im wahren Sinne des Wortes "dicke Bretter gebohrt". Sie haben Material verarbeitet, das sich zum Möbelbau gar nicht eignet -leichtes Pappmaché- und laden nun stolz zum Probesitzen ein: "Hält!" Und sie haben Dinge in den Möbelbau eingebracht, die man dort nicht vermutet: Früchte, Melonen!

Präsentiert wurden diese Möbel im Schulgebäude im oberen Treppenhaus. Auf dieser Vernissage kredenzten die Designer/innen Speisen und Getränke, die Bezug auf ihre Möbeln nahmen: Melonenstückchen, Gebäck in Buchstabenform und schwarze Flüssigkeiten, die an den schwarzen Hochglanzlack erinnern sollten. Mitschülerinnen und Mitschüler waren sehr angetan, auch Lehrer (Herr Loss) und der Schulleiter Herr Reichartz. Sein Tipp: Zum Schulanfang unbedingt Probesitzen!