Worriken 2011
von Elke Hochheimer
Schauplatz: Sportzentrum Worriken in Büttgenbach. Zeit: 14. Juli 2011, Mittwoch Nachmittag, 14.30. 15 Mädchen aus der 6c stehen mit erwartungsvollen und teilweise auch etwas ängstlichen Gesichtern vor einem Gewirr aus hohen, dicken Pfosten und Stahlseilen. Der Dschungel-Parcour erwartet sie, oder genauer gesagt, der Hochseilgarten. Bevor sie sich allerdings auf die schwankenden Seile und Bohlen trauen, schlüpfen sie erst in Klettergeschirr und Helm und lernen den Umgang mit der Sicherheitsleine.
Dieser Klettergarten war wohl der Höhepunkt an Anforderungen für etliche Schüler unserer Klassen Sechs, die kurz vor den Sommerferien an einem Sportprojekt in Büttgenbach in Belgien teilnahmen. Er demonstriert sehr gut die allgemeine Maxime dieser Sportwoche: Zeige den Jugendlichen neue Formen, sich sportlich zu betätigen, führe sie (bei einigen) an ihre Grenzen, aber gefährde sie auf keinen Fall. Zu diesem Zweck gab es ein volles Programm: vormittags drei Stunden Sport, oft verteilt auf zwei verschiedene Sportarten, nachmittags drei Stunden Sport. So lernten die Schüler das schon oben erwähnte Klettern im Kletter-Parcours, Klettern an der Wand, Trampolin-Springen, Tschouk-Ball, Intercross, Swing-Golf, Hockey, Orientierungslauf, Bogenschießen, Kajak- und Kanufahren, Inline-Skaten, Kin-Ball und einiges mehr kennen. Mehr als ein erstes Hereinriechen ist dies natürlich nicht, aber die Schüler bekommen einen guten Überblick über mögliche Sportarten und auch ihre Leistungsstärken. Jemand, der schlecht Hockey spielt, stellt vielleicht seine Begabung fürs Bogenschießen fest oder Ähnliches.
Diese Woche hat den Schülern viel abverlangt. Zu der in dieser Dimension ungewohnten sportlichen Anstrengung kam auch noch die soziale Belastung hinzu. Einerseits ist es schön, mit vielen Freundinnen in einem Zimmer zu schlafen, aber so viel Nähe kann auch ganz schön stressig werden. Beide Anstrengungen zusammen führten doch zu einigen Tränen, und dies war dann die Stunde der Klassenlehrer, die außer Anfeuern bei den Sportaktivitäten sonst nicht viel zu tun hatten.
Und dann schmeckte das Essen nicht wie bei Mutter! Dabei geben sich die Verantwortlichen in Worriken sehr erfolgreich sehr viel Mühe, ein ausgewogenes, leckeres und abwechslungsreiches Essen anzubieten. Morgens gab es Büfett: Cerealien, Milch, Obst, verschiedene Brotsorten, verschiedene Wurstsorten, verschiedene Käsesorten, Honig, Marmelade, Schokoladen-Creme und dazu ausreichend Getränke. Mittags gab es Suppe, dann z.B. Hähnchen mit Fritten, Salat, Melone, oder Gulasch mit Nudeln, Gemüse, Eis, oder Bratwurst, großes Salatbüfett, Fischstäbchen, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch abends wurde eine warme Mahlzeit von ähnlicher Zusammensetzung wie mittags angeboten. Alles war reichlich vorhanden, es gab auch zweite Portionen für die ganz Hungrigen, es standen immer ausreichend Flaschen mit Wasser oder Limonade auf den Tischen. Aber - es war nicht Mamas Essen. Nach meinen Erfahrungen wird lediglich bei Selbstversorgung nicht übers Essen gemeckert; wenn man sie selbst produziert hat, werden klaglos auch angebrannte Nudeln und halbgare Fritten gegessen.
Außer beim Sport brauchten sich die Schüler nicht weiter anzustrengen. Vorbei die Zeiten, als Schüler noch Küchendienst hatten und selber spülen mussten. Vorbei auch die Möglichkeiten, z.B. mit Toilettenputzen zu drohen (Nicht, dass es nötig gewesen wäre.). Jeden Tag kamen Putzfrauen, die die Nassräume und Flure putzten, lediglich ihre eigenen Räume mussten die Schüler besenrein halten. Das hat aber alles gut geklappt, auch ohne viel von den Lehrern erinnert zu werden. Ein Lob an die Schüler, die haben das untereinander gut gemanagt. Überhaupt klappte die Kommunikation untereinander hervorragend, von einigen schon angedeuteten Stress-Momenten abgesehen. Neue Freundschaften wurden erkennbar, vorhandene vertieft - die Woche hat auch für die Klassengemeinschaft einiges gebracht. Insgesamt war die Zeit in Worriken eine sehr lohnende. Und auch die schwankenden Seile des Kletter-Parcours wurden von allen gemeistert, auch wenn einige Angst-Attacken am besagten Mittwoch intensive Überzeugungsarbeit der begleitenden Klassenlehrerin forderten.
